Der anhaltende Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hält Europa in Atem. Angesichts der Zerstörung und der scheinbaren Ratlosigkeit in den Schlagzeilen suchte das Greifswalder Europagespräch am 26. September 2025 nach Antworten auf die zentrale Frage: „Ukraine und Europa. Auswege aus der Eskalation?“
Der Abend fand in der vollen Brasserie Hermann statt und bereicherte als Beitrag die Interkulturellen Woche in Greifswald. Das enorme Interesse zeigte sich in einer Diskussion, die rege, vielstimmig und reich an Perspektiven war.
Die Macht der Geschichte für den Frieden
Als Gast und Inputgeber begrüßten wir Prof. Dr. Roman Dubasevych, Leiter des Lehrstuhls für Ukrainische Kulturwissenschaft und des Instituts für Slawistik der Universität Greifswald. Als Experte für die ukrainische Gesellschaft und Kultur betonte er in seinem Impuls, dass die Möglichkeiten eines Auswegs aus der Eskalation maßgeblich davon abhängen, wie wir die Vorgeschichte verstehen. Der Schock des Krieges habe zu einer Verengung der Narrative geführt. Dubasevych mahnte, dass weitere Eskalation keine Lösung sei, es müssen andere Auswege gesucht werden.
Alte Wunden verstehen und Solidarität gestalten
Die lebendige Diskussion im Roten Salon beleuchtete, wie tief alte Wunden, traumatische Erlebnisse und Erzählungen das Denken und Handeln der Konfliktparteien beeinflussen. Mit diesen oft unsichtbaren Narben muss sensibel umgegangen werden. Die Diskussion machte deutlich, dass weitere Eskalation keine Lösung ist, insbesondere angesichts der immensen Zerstörung in der Ukraine. Es reiche nicht aus, nur militärische oder politische Strategien zu diskutieren. Um eine Vision für einen nachhaltigen Frieden zu entwickeln, müsse man tiefer blicken.
Die zentralen Fragen, die in der Runde diskutiert wurden, bleiben entscheidend: Wie können wir mit diesen historischen Brüchen umgehen, um das aktuelle Geschehen besser zu verstehen? Und welcher Weg ist der richtige, um eine wirksame und zukunftsorientierte Solidarität mit der Ukraine vor Ort und in ganz Europa zu gestalten? Das Greifswalder Europagespräch bot einen wichtigen Raum für diese notwendigen, tiefen und vielschichtigen Überlegungen.

